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Der Sommer schaute bereits aus mildwarmen Altweiberaugen dem Flug
der Eulen zu. Die Ernte auf den Feldern neigte sich, und die Menschen kamen in
Feierlaune. Auch Risuna und Cuderus glitten erleichtert durch die Lüfte.
Schließlich war ja der Nährboden für das Korn der Weisheit
gefunden. Hinter den Alpen, in einem moorigen Gebirgswald, trafen die
Eulenboten die schöne Sumpfohreule Rarita und den Rauhfußkauz
Conarius. Die waren gerade beim Nachtkonzert. Der kleine Kauz klang dabei, als
spielte jemand melancholisch auf einer Okarina, während Rarita elegant
über ihm kreiste und mit den Flügelspitzen auf ihrem Bauch den Takt
dazu klatschte. Obwohl die griechischen Gesandten von ihrer Reise fix und
fertig waren, mussten sie vor lauter Wonne nach dieser besonderen Herbstmelodie
erst einmal tanzen, bevor sie von ihrem Auftrag erzählten. Die zwei
munteren Musikanten staunten, wer da Gast ihres kleinen Erntefestes war. "Und
ihr wollt jetzt noch weiter fliegen? Können wir euch nicht ablösen?"
fragte Rarita aufgeregt. "Wir wären stolz, Teil der Mission zu sein."
Conarius plusterte sich dick auf: "Ja, ihr flattert mal ganz entspannt
heimwärts und erzählt unterwegs allen EuIenbrüdern und
Eulenschwestem von dem kindlichen Wesen im märkischen Wald Wir werden
derweil die wunderbare Neuigkeit dem Hüter des allerletzten Korns der
Weisheit überbringen." "Kein schlechter Gedanke", fand die lächelnde
Risuna. "Immerhin muss die große Eulenfamilie mit dem Korn aus dem ewigen
Eis den Weg bis Deutschland noch einmal zurücklegen. Da ist es hilfreich,
wenn alle Eulen ganz genau Bescheid wissen, so dass jede an der Strecke
bereitwillig eine Etappe auf sich nimmt. Schließlich sind wir
Nachtgestalten nicht wirklich die besten Langstreckenflieger."
Gesagt,
getan. Die griechischen Eulen entschwebten bald in heimatliche Gefilde,
während Rarita und Conarius im Tiefflug bis hinunter noch Gibraltar
sausten. Auf den Felsen vor der Brandung des Atlantiks hielten sie jedoch inne.
Ehrfürchtig schaute Conarius auf die offene See: "Ob wir das bis
hinüber nach Amerika schaffen?" "Bestimmt, kleiner Freund", ermunterte ihn
Rarita Die Botschaft muss einfach über den großen Teich. Dort
können sie ja die Verwandten weiter bis Feuerland befördern. Denn en
diesem fernen Zipfel der neuen Welt hat die Legende von Novatrix ihren
Ursprung. Nur einer ihrer Nachfahren kann wissen, wohin genau sie einst
aufbrach." Doch auch Rarita fürchtete sich natürlich vor dem
ungeheuerlichen Wagnis. Sie brauchten also dringend Beistand.
"Komm,
Conarius lass uns noch einer Hund-Rose suchen", flüsterte die Sumpfohreule
bedeutungsschwer. "Sie ist seit jeher unser Sinnbild für ewige Weisheit
und geheime Lebenskräfte Sie kann uns vielleicht beschützen." Im
Morgendämmern standen zwei hoffnungsvolle Vögel auf einer Klippe
über der brodelnden See. Nacheinander warfen sie einen Rosenzweig in die
schwarzen Wellen und riefen wie aus einer Stimme den Gott des Meeres an:
"Poseidon lass ein Wunder geschehen und uns dieses Wasser unbeschadet
überqueren!" Von Land her kam urplötzlich ein gewaltiger Sturm auf.
Der riss die Eulenboten mit sich und trug sie pfeilschnell dem unendlichen
Horizont entgegen. Tagelang segelten sie auf dieser Sturmspitze ohne wirkliche
Anstrengung. Nur ihre schönen Federn waren in gar keiner guten Verfassung,
als sich der Wind legte und sie en einem nächtlichen Sandstrand landeten
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